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World of Madelon Vriesendorp: Aedes Berlin, 2008

14 March – 17 April 2008
Aedes Am Pfefferberg, Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin

Die Ausstellung „The World of Madelon Vriesendorp: Paintings / Postcards / Objects / Games“ („Die Welt der Madelon Vriesendorp: Bilder / Postkarten / Objekte / Spiele“) zeigt die breit gefächerten Aktivitäten der niederländischen Künstlerin der letzten 35 Jahre. Zu ihrem umfassenden Werk gehören neben Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, einem „Objektarchiv“, diversen Recyclingprojekte und der Erfindung psychologischer Spiele auch die Ernst gemeinte Absicht, den – wie es Walter Benjamin einmal nannte – „Müll der Geschichte“ zusammenzutragen.

Die an der AA School of Architecture in London entstandene, dort bereits gezeigte und für Aedes transformierte Ausstellung stellt die Bedeutung von Vriesendorps Werk in seinem kulturhistorischen Kontext dar. Gemeinsam mit Rem Koolhaas sowie Elia und Zoe Zenghelis war Vriesendorp eines der Gründungsmitglieder des Office for Metropolitan Architecture und lehrte mehr als zehn Jahre an der AA. Ihr Gemälde Flagrant Délit erschien auf dem Cover von Koolhaas’ Buch Delirious New York (1978). In einem der faszinierendsten künstlerischen Versuche, das unbewusste Doppelleben der modernen Architektur zu veranschaulichen, werden hier das Chrysler und Empire State Building vom Rockefeller Center in post-koitaler Umarmung überrascht. Auch vor und nach dieser gefeierten New-York-Periode entstanden jedoch ebenfalls eine ganze Reihe bedeutsamer Werke –von der breiten Öffentlichkeit freilich meist unbeachtet.

Die Kuratoren der Show, Stephan Trüby und Shumon Basar, erhielten exklusiv Zugang zu Vriesendorps außergewöhnlichem Studio/Archiv im Norden von London, einer privaten Kosmologie gefundener und erfundener Symbole und Geschichten. Diese Wohnung bildet den symbolischen Startpunkt und Aufbewahrungsort für „The World“ / „Die Welt“ von Vriesendorp. Die Installation in der Aedes Galerie umfasst Gemälde und Zeichnungen von 1967 bis heute; dazu kommen zwei Postkartensammlungen (insgesamt ca. 8000 Exemplare), von Vriesendorp und Koolhaas in Upstate New York während der 1970er zusammengetragen (sie bilden eine Art zufällige Archäologie der Vereinigten Staaten), und eine selten gezeigte, gemeinsam mit Teri Wehn-Damisch verfasste Animation aus dem Jahr 1979, Flagrant Délit. Letztere erzählt die heiße Liebesgeschichte zwischen den berüchtigsten Wolkenkratzern Manhattans in Form eines surrealistischen Melodrams. Außerdem werden Einblicke in Vriesendorps erstaunliches „Archiv“ an Miniaturobjekten, Modellen und Figuren (insgesamt einige tausend) gewährt, wozu auch eine indianisch verkleidete Minnie Mouse gehört, die mit einem geflügelten Weihnachtsmann fraternisiert. Zu sehen ist außerdem eine Sonder-Installation, die eine lebensgroße Verkörperung des selbst entwickelten Psycho-Diagnose-Bausatzes „The Mind Game“ zeigt.

Im begleitenden Aedes-Katalog wird zum ersten Mal Vriesendorps und Wehn-Damischs Storyboard der Animation von 1979 veröffentlicht: Flagrant Délit: Dream of Liberty. Das Buch „The World of „Madelon Vriesendorp“ (AA Publications), herausgegeben von Trüby and Basar, enthält u.a. eine Einleitung des Kritikers Charles Jencks, der mit Vriesendorp auch verschiedentlich zusammengearbeitet hat; Interviews der Historikerin Beatriz Colomina sowie des Kultautors Douglas Coupland mit Vriesendorp; einen nachdenklichen Monolog von Hubert Damisch über Freuds Haus in London, das sich ganz in der Nähe von Vriesendorps Studio befindet; einen Beitrag von Fenna Haakma Wagenaar über die „Produktivität der Ablenkung“; einen Fotoessay von Charlie Koolhaas zum Haus/Studio ihrer Mutter sowie ein freimütig offenes Interview mit Rem Koolhaas zu Anfängen, Ehrgeiz und Privatsphäre. Auch Zaha Hadid, Hans Ulrich Obrist, Brett Steele und Zoe Zenghelis verfassten Beitrage zu diesem Buch.

Pressezitate zur Londoner Show:
“Die hier gezeigten Bilder wirken wie Schlüsselfiguren unserer Erinnerungen der städtischen Architektur, vergleichbar mit Piranesi oder Metropolis. Diese Schau wird Ihren Blick auf die Stadt auf wunderbare Weise verändern.”

Edwin Heathcoate, The Financial Times
“Ihre Arbeit legt etwas unglaublich Starkes und für gewöhnlich Unbeschriebenes frei. Es ist eine erstaunliche Sammlung von suggestiver und analytischer Vorstellungskraft.”

Kester Rattenbury, Building Design
“Vriesendorp ist immer noch mittendrin im Geschehen. So wirkt diese Ausstellung nicht nur frisch, sondern lange überfällig.“
Shumi Bose, The Architect’s Journal

Es sprechen:
Kristin Feireiss, Aedes Berlin
Prof. Stephan Trüby (HfG Karlsruhe), Kurator
Shumon Basar, Direktor AACP, AA – Architectural Association School of Architecture, London, Kurator
Brett Steele, Direktor AA – Architectural Association School of Architecture, London